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...Noch immer auf die Putzkolonne. Während der Müll in meinem Kopf (und in meinem Zimmer) sich zu unansehnlichen Bergen häuft. Nicht fertig bearbeitete Anträge liegen unter zusammengeknüllten Tagesplänen, durchmischt von tausend Kleinigkeiten, deren Erledigung ich dringend in Angriff nehmen müsste. Dazu ist alles bedeckt von einer dicken, staubigen Schicht aus Ungewissheit und Unzulänglichkeit, ein bißchen Schiss, ein bißchen Größenwahn, ein großes Bedürfnis nach ausreichend Schlaf, ausreichend Zeit für mich, all das wabert sich eins und findet keinen Weg nach draußen.
Langsam bricht die Erkenntnis sich Bahn, dass da keine Fremdfirma zum Putzen kommen wird, sondern dass ich all den Dreck ganz alleine wegmachen muss. Nur: wo anfangen? Wo beschafft man sich eine ausreichende Portion Antrieb, und das auch noch im Herbst?
Weil mir sonst nichts zu sagen bleibt, lade ich endlich mal wieder ein paar Fotos hoch. Von meinem Handy, weil irgendwo in der Müllhalde habe ich ein noch originalverpacktes Kabel gefunden, dass das Telefon mit dem Computer zu verbinden gedacht war. Auch auf Schrottplätzen finden sich manchmal Kleinode.

Levi ist süßer denn je, malt sich voll und redet wie ein Buch. Zu Tomate sagt er inzwischen nicht mehr rote, sondern tote Mate, und wenn ich Unsinn erzähle, sagt er "ja, nee, is klar" und lacht sich eins. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand, der schonmal einem Kind beim Aufwachsen zugesehen hat, ernsthaft die Ansicht vertreten kann, dass Persönlichkeiten einzig durch Sozialisation entstehen. Von dem Moment an, da er, kaum zwei Sekunden auf der Welt, nach was zu Essen gesucht hat, ist Levi so dermaßen er selbst, dass ich vor Staunen pausenlos zwinkern könnte.
Besonders erstaunlich war der Dialog, denn wir erst neulich hatten. Als Mirko und ich uns schon wieder völlig sinnlos vollgeblökt hatten und ich Zu Lev gesagt hab, "doof ne? dass wir uns immer streiten?" hat er geantwortet: "Levi ist gar nicht doof. Aber die Mama ist doof und der Papa ist auch doof."
Eigentlich sagt er zwar "boof", aber eins ist jedenfalls schonmal klar: Levi ist sowas von überhaupt kein bißchen doof, dass es kracht.
Ich würde so gerne was Schönes schreiben, aber immer, wenn ich mal endlich 10 Minuten vor dem Computer sitze, ist mein Kopf so lääääääär wie eine große Konzertarena "danach". Ein paar zerdrückte Plastikbecher und ein zwei (hoch illegal gerauchte) ausgetretene Kippen zeugen von nicht allzu fern vergangener Aktivität, aber jetzt ist alles vorbei. Und die Putzkolonne ist noch nicht da. Ab und zu braucht selbst die höchstfrequentierte Partymeile mal ne Pause.
Oder- um mal die blöden Feiergleichnisse fahren zu lassen, die mit meinem momentanen Leben sowieso ungefähr gar nichts zu tun haben-, so n Rechner braucht ja auch ab und zu mal ein kleines Systempäuschen, wenn er ein langes und glückliches Leben haben will.
Bald fahre ich zur Generalerneuerung in den Wienerwald, mit meiner liebsten Inspirationskanone. Bis auf danach soll dieser kleine, unter größten Anstrengungen zusammengestoppelte Eintrag vertrösten. Falls da irgendwer mitliest, der Trost bräuchte.
Was witziges fällt mir schnell noch ein, nämlich wie ich im Strafrechtsrepetitorium statt "beendeter Versuch", "verendeter Besuch" gesagt habe.
Ich hoffe sehr, dass das außer mir noch jemand lustig findet, weil sonst fällt es wohl unter die Kategorie "Juristenwitz".
Über sowas wollte ich nie lachen müssen.
Aus Humorschutzgründen.
Ich kann ja nie lange böse sein...
Stimmt nicht. Aber auf Rainer bin ich nicht mehr sauer. Ehrlich gesagt tut es mir sogar ein bißchen leid, ihn so beschimpft zu haben. In Wirklichkeit war es nämlich nur mal wieder meine bornierte Halbinformiertheit, die an allem Schuld war. So kanns gehen, wenn man sich für schlauer hält, als man ist.
Allerdings finde ich das Sich-für-schlauer-halten-als-man-ist keinen echten Makel. Es gibt bestimmt den Ein oder Anderen, der damit schon gut abgeräumt hat.
Der Schein bestimmt das Bewusstsein.
Jetzt aber genug davon, weil es gibt wichtigeres am heutigen Tage. Heute um neun uhr neun vor zwei Jahren ist Levi Null geworden. Sozusagen.
Immer noch finde ich, wir waren einfach einsame Spitze damals, Lev, sein noch leicht betrunkener Papa und ich. Levs Nullter wird ein ewiges Highlight bleiben.
Heute morgen hat er geguckt wie ein Auto, als wir ihm den Riesen Bahnhof gemacht haben, mit Kuchen und Blumen und ungefähr 743.000 bunt eingepackten Geschenken. Und dauernd rufen Leute an, die ihm unbedingt noch mehr schenken wollen und sich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen. Dabei lehne ich nicht aus Nettigkeit ab, sondern aus Angst, dass unser Kind unter den Spielzeugmassen zusammenbricht. Sein Zimmer hat nur 12 qm und irgendwann ist es eben einfach voll.
Ich meine, ja, er ist auf die Welt gekommen und das ist ne Mordsleistung und alles, aber könnt ihr ihn dafür nicht einfach herzen?
Er wirds nicht verstehen, aber Herzen findet er meistens gut.
Wer hätte gedacht, dass der Herr Frank einmal Gegenstand des blutendsten Hasses wird, für einen Aufsatz, den er schrieb, als der (ich meine die) Hassende noch nicht mal in Planung war?
Was bildet der sich ein, dieser blöde Typ, mir in meine sorgsam zusammengeschrubbte Argumentation zu fummeln?
Rainer, was ist das überhaupt für ein bescheuerter Name?
Wirklich witzig ist allerdings, dass ich letztens erst über einen anderen Rainer nachgedacht habe, aber das mit größter Ehrfurcht. Der andere Rainer nämlich, der kann, was ich persönlich für Kunst in ihrer besten Form halte: Leute berühren (in seinem Fall mit Worten), noch bevor sie ihn verstehen. Aber was heißt, noch bevor? Also, in jemandem was anstoßen, der keinen blassen Dunst hat, wovon man spricht, malt, singt. Der überhaupt gar kein kleines bißchen geschulte Augen/ Ohren/ Gedanken hat.
Das ist ein super Beurteilungsmaßstab, weil viele verschiedene Künstler viele verschiedene Leute berühren und das macht das ganze so schön unabsolut.
Aber Rainer, der hattes ziemlich drauf, und mir fallen nicht viele ein, die nicht irgendwie Gänsehaut kriegen, bei wenigstens einem Gedicht von ihm.
Letztens saß ich pausierend auf der Terasse der schönen Datscha rum und wollte gar nicht nachdenken und habe es dann trotzdem gemacht. Über die Entscheidungen und Ereignisse und Vorstellungen, die mir so in der Vergangenheit untergekommen sind. Über die Zukunft, dieses neblige etwas, und: über meine Vorstellungen von der Zukunft, die inzwischen Gegenwart ist.
Und plötzlich, ich will nicht sagen, "ploing", aber von einem ähnlich definitiven Geräusch begleitet, habe ich das mit den wachsenden Ringen verstanden. Und das mit dem Falken und dem Sturm, und dass hier nämlich die Betonung auf "Ich weiß nicht" liegt.
Danke also an den anderen Rainer, dass ich ihn so naiv interpretieren darf, wie ich will und dass mir das weiterhilft und mich sogar froh macht.
Aber der eine, der erste Rainer, der kann mich -mit Verlaub- mal am Arsch lecken.
Ich werde ihn in meine Hausarbeit aufnehmen, aber nur in einer kleinen " anderer Ansicht ist..." Abfucker-Fußnote. Haha!
Schade eigentlich, aber heute gibts die Geschichte in Andersrum. Von den letzten Tagen zu erzählen heißt, davon zu künden, wie es ist, wenn überhaupt rein gar nichts klappt. Wie es ist, wenn man das Gefühl hat, keinen Einfluss zu haben auf das Leben um einen rum.
Wenn Levi plötzlich bitterlich weint, wenn ich ihn in die Kita bringe. Wenn er im Supermarkt JOOOOGHHUUUURT JOOOOGHUUURT schreiend vor mir davon rennt. Wenn er die Nacht zum Tage macht, bis die Nachbarn klopfen und seine übernächtigte Mama, wenn sie vom Kindergarten zurück kommt, nur blöde auf den Bildschirm glotzt oder eben vor sich hin bloggt, anstatt die Dinge in Angriff zu nehmen, die anstehen.
Manchmal fühle ich mich so dumm, klein und verpeilt, dass ich mich ernsthaft frage, wie ich es geschafft habe, mit allen Körperteilen zusammen 25 zu werden, geschweige denn, die allgemeine Hochschulreife zu erlangen.
Homer Simpson hat einen Zettel im Kopf, da steht drauf:
"Ich schulde dir ein Gehirn. Gott."
An Tagen wie heute hätte ich gerne Gotts Telefonnummer. Dann könnte ich ihn fragen, ob ich auch eins haben kann.
Mein altes nervt!
Heute habe ich lecker gekocht. Und aufgrund dieses ja eher banalen Ereignisses bin ich ins Grübeln geraten.
Darüber, wie eigenartig das manchmal ist. Dass man etwas tut und es haut hin.Einfach so.
Man schreibt zum Beispiel einen Brief und zum Schluss steht da das, was man haargenau sagen wollte.
Man bereitet sich vor, etwas zu tun, was man noch nie gemacht hat und weiß schon, dass man es können wird.
Oder eben:
Man kocht mit schlafwandlerischer Sicherheit aus den absolut beklopptesten Zutaten ein Essen und guckt dann dabei zu wie es, Teller um Teller, in nicht mal 90 cm zufrieden grunzendem Sohn verschwindet.
Solche Momente sind das pure Glück.
Kleines Glück, umso purer.
Und ätzend selten.
Inzwischen bin ich ganz gut vorangekommen mit dem Erledigen, aber es wird irgendwie nicht weniger. Manchmal frage ich mich, ob es den Rest meines Lebens so bleibt. Die Zeit, die noch vor kurzem so im Überfluss vorhanden war, dass ich am liebsten noch was davon verschenkt hätte vor Langeweile, ist inzwischen minutiös durchgeplant. Irgendwas ist immer, und wenn man dann noch alle die sehen, hören oder beschreiben will, die man liebt und das regelmäßig, braucht man wirklich Disziplin. Ist das nicht öde? Ich meine, was hat denn Liebe bloß mit Disziplin zu tun? Na und dann, wenn ich eine Sorte Menschen gefressen habe, dann solche wie den Typen letztens auf der Jura-Repetitoriums-Informationsveranstaltung. Diese Sorte, die meint, es gäbe nur eins im Leben, in seinem Fall, das Studium juristischer Schriften. Wer nicht bereit sei, all seine Zeit im nächsten Jahr dem Lernen zu opfern, hat er gesagt, wer meine, er könne nebenbei noch so banale Nichtigkeiten unternehmen, wie etwa (naserümpf) Kellnern, der könne gleich zu Hause bleiben und sich einsargen lassen. Der würde dieses überaus einzigartig wichtige und unfassbar überwältigend riesig schwere Examen unmöglich bestehen können. "Danke", hätte ich da am liebsten gesagt, "gut zu wissen. Wenn das so ist, dann werde ich wohl eine Bank überfallen und mein Kind zur Adoption freigeben müssen." Alles "for the greater Good"(frei nach: Gellert Grindelwald). Aber ich werde mich nicht einsargen lassen und auch sonst nichts unüberlegtes tun. Ich werde nur einfach mal ausprobieren (vielleicht das erste mal in meinem Leben), wie es ist, am Ball zu bleiben. Einfach immer weiterzumachen. Und dann werde ich seiner gestörten Weltsicht trotzen und Examen schreiben, obwohl es auch noch andere Dinge gibt auf meiner Prioritätenliste. Und ich werde auch danach noch Freu(n)de haben und Teller tragen. Die Zeit wird sich vermutlich beschweren, so wie ich vorhabe, sie über zu strapazieren. Aber mit der versöhn ich mich auch noch. Wenn die kampfbegeisterten Husaren bei Tolstoi in den gestörten Krieg ziehen, schreien sie immer "HURRA!"
Na also!